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Zurück 18.04.2019

Zusammenarbeit der Generationen stärken

Ältere Mitarbeitende haben noch lange nicht ausgedient. Aber wie werden sie erfolgreich in die Unternehmen eingebunden? Mit der Erstveröffentlichung der Studie zum «Generationenmanagement» und einem hochkarätigen Panel lieferte die vierte Veranstaltung der Zuger Wirtschaftskammer zum Impulsprogramm «Change als Chance» praxisnahe Antworten.

Einzelne Branchen klagen schon heute über einen akuten Fachkräftemangel. Dieser wird sich noch verschärfen, wenn in den nächsten Jahren die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomers in Pension gehen. Ältere Mitarbeitende könnten dann die Lücken füllen – doch da sind Arbeitnehmer wie Arbeitgeber gefordert.

Die vierte Ausgabe der Zuger Wirtschaftskammer zum Impulsprogramm «Change als Chance» widmete sich deshalb dem «Generationenmanagement». Mit einem kleinen Quiz eröffnete Rolf Jenni, Leiter HR der V-ZUG, den Abend im Auditorium der V-ZUG AG in Zug und verriet, dass das Durchschnittsalter der Mitarbeitenden auch schon bei 44 Jahren liege. Er sei «gespannt wie ein Pfeilbogen» über die Ergebnisse der Studie und hoffe, dass der Anlass mehr als nur ein Lippenbekenntnis gegenüber der älteren Generation sei.

Vorurteile überwiegen

Die rund 140 Anwesenden kamen anschliessend in den Genuss der vom SECO unterstützten Studie der Hochschule Luzern - Wirtschaft, Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ, zum Thema «Generationenmanagement». Online wurden KMUs wie Grossfirmen und deren Mitarbeitende befragt – mit teils erstaunlichen Ergebnissen. So erachten zwar fast alle Unternehmen ein Generationenmanagement für nötig und sind überzeugt, dass eine altersgemischte Belegschaft einen positiven Effekt auf den Unternehmenserfolg hat. Doch: «Nur 13 Prozent der Grossunternehmen gaben an, bewusst ältere Personen einzustellen», erklärte Projektleiterin Gabriella Wanzenried.


Publikum Change als Chance - Generationenmanagement

Hinderungsgrund sind Vorurteile wie «ältere Mitarbeitende sind teuer, unflexibel und wenig motiviert.» Aber über die Hälfte der befragten Mitarbeitenden erwartet nicht, dass der Lohn automatisch mit dem Alter steigt. Viel wichtiger sind abwechslungsreiche Aufgaben, ein klar definierter Handlungsspielraum und Verantwortung. Ältere Angestellte sind zufriedener und kompetenter. Allerdings setzen sie weniger auf Weiterbildung als Jüngere. Vor diesem Hintergrund schätzen ältere Menschen denn auch die Chance, einen neuen Job zu finden, als sehr viel geringer als junge ein.

Erfahrungen aus der Praxis

Mit dem Ziel, die Ist-Situation zu dokumentieren und Massnahmen und Lösungen aufzuzeigen, bildete die Studie auch die Grundlage für das spannende Panel unter der Leitung von Urs Gredig, Editor-in-Chief von CNNMoney Switzerland. Praxisnah zeigten die Unternehmens-Vertreterinnen, wie ältere Mitarbeitende integriert werden können. Für Carla Tschümperlin von der A. Tschümperlin AG widerspiegelt die Studie ihre Erfahrungen im Alltag: Führungspersonen stellen eher Jüngere an, Männer eher Männer. Diese Schemen müssen gezielt durchbrochen werden.

Bei Roche Diagnostics bringt das Programm «Reverse Mentoring» Generationen zusammen. Teams sind bewusst altersdurchmischt. General Manager Annette Luther erklärte: «Es gibt Leute, die sind auch im Alter flexibel. Das hängt von der Persönlichkeit ab.» Allerdings zeigt sie sich sehr erstaunt über das Umfrageergebnis, 44 Prozent der Arbeitnehmenden würden auch im Pensionsalter noch gerne weiterarbeiten. Gemäss ihrer Erfahrung äusserten maximal zehn Prozent diesen Wunsch, wenn sie denn mal vor der Pensionierung stehen.

Weiterbildung ist wichtig

Wichtig ist es, diese Menschen im Arbeitsprozess zu halten. Denn, wer einmal abgesprungen ist, kann kaum mehr zurückgeholt werden, bedauerte Boris Zürcher, Leiter SECO. Und sie sind schwerer vermittelbar, wie der Präsident von economiesuisse, Heinz Karrer, erklärte. «Schlussendlich finden auch Menschen über 50 eine Stelle, aber es braucht viel mehr Zeit als bei jungen Leuten.» So waren sich die Podiumsteilnehmenden einig: Auch die Arbeitnehmenden müssen etwas dazu beitragen, damit sie länger im Berufsleben bleiben können, nämlich flexibel bleiben und sich weiterbilden.

Ebenso sprach mach sich gegen Lohn- und Kündigungsschutzmassnahmen aus. Solche Massnahmen wären kontraproduktiv. «Damit würde der Widerstand, ältere Menschen zu beschäftigen, nur grösser», so Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem.

Vielmehr müssten die Rahmenbedingungen in den Unternehmen den Bedürfnissen der älteren Generation angepasst werden. Stichworte dazu sind Teilzeitarbeit oder spezielle Aufgaben, die das Know-How der langjährigen Mitarbeitenden ausschöpfen. Aber auch die Vorsorgeversicherungen und die Politik müssen umdenken.

Letztere war durch die Zuger Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann vertreten, die daran erinnerte, dass Zug einst Vorreiterin mit einem einheitlichen BVG-Satz für alle Altersgruppen war. Leider musste sie sich dann der Restschweiz anpassen. Heute bietet der Kanton verschiedene Initiativen speziell für ältere Mitarbeitende an - wie beispielsweise das Pilotprojekt «Tandem».

Auf den Punkt brachte schliesslich Stefan Brupbacher die angeregte Diskussion: Vorurteile abbauen, alters- und geschlechterdurchmischte Teams schaffen und für einen Wissenstransfer sorgen, dann sind Unternehmen für die Zukunft gerüstet.


Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem

Auch wenn die Veranstaltung ihr Zeitbudget überzogen hatte, die 140 Anwesenden hätten wohl noch länger interessiert zugehört, hätte der Gastgeber nicht zum Networking beim Apéro gerufen.

Für die Zuger Wirtschaftskammer:
Patricia Diermeier Reichardt

Mehr Informationen zur Studie

Generationenmanagement Studie - KMU

Generationenmanagement Studie - Grossunternehmen

Impressionen der Veranstaltung

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