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Zurück 09.11.2018

Weckruf zweier Visionäre

Was hat die Digitalisierung mit der Veränderung von Lebensräumen zu tun? Inwiefern muss sich die Region Zug entwickeln, um langfristig erfolgreich zu sein? Dieser Thematik war ein Anlass der Zuger Wirtschaftskammer gewidmet.

Industrie 4.0: Nicht die industrielle Revolution an sich, sondern vielmehr deren Auswirkungen auf Lebens- und Arbeitsräume waren das Thema der Veranstaltung im Chamer Lorzensaal vom 29. Oktober. Der Zuger Wirtschaftskammer war es gelungen, zwei renommierte Experten als Referenten zu verpflichten, die von Markus Schmidiger, Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ, nach einer kurzen Einführung ins Thema begrüsst wurden. Thomas Sevcik, CEO der Think-Tank-Firma Arthesia und Marcel Muri, Geschäftsführer KEEAS Raumkonzepte zeigten auf, welche Herausforderungen auf den Standort Zug zukommen und wie sich die Region auch künftig als attraktiver Lebens- und Arbeitsraum behaupten kann.

Markus Schmidiger, Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ

Trend zu Megacities

«Die Idee, dass dank der Digitalisierung immer mehr dezentral gearbeitet wird, hat sich als Illusion erwiesen.» Der global tätige Standortexperte Thomas Sevcik stellte fest, dass die Urbanisierung kräftig voranschreitet und sich immer mehr Menschen und Unternehmen in grossen Ballungszentren ansiedeln. Eine Entwicklung, die für den jahrzehntelang erfolgreichen Wirtschaftsstandort Zug gewisse Gefahren berge.

Thomas Sevcik, CEO Arthesia

Die Millennials abholen

Worin liegen die Gefahren für Zug? Einen Risikofaktor bilden für Thomas Sevcik die Millennials – also die Generation, die um die Jahrtausendwende ins Arbeitsleben eingestiegen ist: Junge, erfolgreiche Berufsleute, die ein modernes, aufregendes Arbeits- und Lebensumfeld fordern. «Zug muss in der Lage sein, den aufstrebenden Millennials dieses von ihnen gewünschte urbane Umfeld zu bieten.» Ansonsten würden die Unternehmen nicht mehr in der Lage sein, die erforderlichen Leute zu rekrutieren.

«Entscheidend wird sein, wie Zug auf die drei Wachstumsfelder Bildung, Gesundheit und Kultur reagieren wird», ist Thomas Sevcik überzeugt. Diese Bereiche seien deswegen interessant, weil sie zunehmend privatisiert und damit kommerzialisiert werden. Und Chancen bieten, neue Anreize, sprich Standortvorteile, zu schaffen – zum Beispiel durch den Bau eines Kunstmuseums oder die Investition in eine private Hochschule.

Für Thomas Sevcik steht fest: «Zug muss sich zum Thema Urbanität mehr Gedanken machen und sich vermutlich auch neu ausrichten.» Und könnte so vom aktuellen Trend gar profitieren: Nicht als Einzelkämpfer, sondern als Standort mit spezifischen Angeboten, der sich als Teil einer Metropolitanregion – also Zürich – versteht.

Im Sog der Städte

Raumplanerische Zukunftsszenarien kamen beim Referat von Marcel Muri, Geschäftsführer KEEAS Raumkonzepte, zur Sprache. Er skizzierte mögliche Entwicklungen im Bereich Verkehr und Mobilität. Der Ausbau der Bahnlinie nach Zürich – 2040 werden voraussichtlich Züge im 10 Minuten-Takt verkehren – dürfte positive Auswirkungen auf die Talgemeinden haben. Doch es gelte, Lösungen zu finden, «damit auch die ländliche Bevölkerung in ihrer Mobilität nicht benachteiligt sein wird».

Marcel Muri, Geschäftsführer KEEAS Raumkonzepte

Wie sein Vorredner stellt auch Muri einen deutlichen Trend zur Urbanisierung fest. «Wir müssen davon ausgehen, dass vermehrt wieder in Städten produziert wird.» Was das Wohnen angehe, tendiere die jüngere Generation klar zu einem Leben, in dem sich Urbanität und Natur miteinander verbinden lassen. Gefragt sind Wohnquartiere, die alles bieten – vom Urban Gardening zu Einkaufsläden und Gemeinschaftsräumen bis hin zu kulturellen Anlässen – quasi ein Dorf in der Stadt. «Diesbezüglich ist in Zug nicht viel vorhanden, weder um junge Leute anzulocken, noch um sie hier zu halten», stellte Muri fest.

Neue Werte schaffen

Es fehle an visionären Ideen: «Man kann auch in ländlichen Gebieten urban sein», weiss Muri, «doch das bedingt, dass wir endlich in grösseren Dimensionen zu denken beginnen.» Noch würden die digitalen Möglichkeiten viel zu wenig genutzt. Dabei liessen sich mit ein paar Mausklicks neue raumplanerische Szenarien erfinden und Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen. Viel zu stark würden ausserdem von Eigentümern Eigeninteressen verfolgt, die neuen Ideen im Wege stünden.

Zug hätte ausgezeichnete Möglicheiten, neue Entwicklungsräume zu schaffen, «wenn man etwas experimentierfreudiger wäre». Indem zum Beispiel ein Teil der – laut Muri überdimensionierten – landwirtschaftlichen Fläche neuen Bestimmungen zugeführt würde: Flächen, auf denen sich anstelle von Kühen dereinst Menschen aufhalten, bewegen und erholen können.

Laut Marcel Muri müsse Zug neue Werte schaffen, in Bezug auf den Umgang mit der Natur und hinsichtlich eines zeitgemässen, attraktiven Zusammenlebens: Aufzeigen, wie man Entwicklungsraum sichert und für die Umgebung neue Möglichkeiten sieht. Denn: «Wenn wir die Stadt nicht neu bauen können, müssen wir die Landschaft neu denken.»

Stoff zum Diskutieren

Zahlreiche Aspekte der beiden Referate boten Stoff für spannende Diskussionen. Zunächst auf dem Podest und danach im Foyer beim Apéro riche, wo zahlreiche Zukunftsszenarien diskutiert wurden.

Therese Marty, freie Journalistin

Eindrücke zum Anlass vom 29. Oktober 2018.

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