Newsletter - Detail

Zurück 19.06.2018

Versorgungssicherheit hat höchste Priorität

Immer mehr zeigt sich: Das Volks-Ja zur Energiestrategie 2050 war nicht das Ende der energiepolitischen Diskussion, sondern der eigentliche Beginn. Es müssen jetzt wichtige Weichen gestellt werden, damit die Versorgungssicherheit mit Strom gewährleistet bleibt.

Strom ist der Lebensnerv der Schweizer Wirtschaft. Und die Bedeutung von Strom wird stetig grösser. Stichworte dazu sind Digitalisierung, Automatisierung oder Elektro-Mobilität. In den Fokus rückt damit immer mehr das Thema Versorgungssicherheit. Für unser Land hat es inzwischen höchste Priorität.

Versorgungssicherheit ist nur möglich, wenn die Schweizer Stromwirtschaft über die notwendigen Rahmenbedingungen verfügt. Um gute Rahmenbedingungen zu garantieren, müssen politisch jetzt die richtigen Weichen gestellt werden. Die Grundlage dazu bilden die kürzlich gefällten energiepolitischen Richtungsentscheide an der Urne. Im November 2016 hat sich die Schweizer Stimmbevölkerung entschieden, dass die hiesigen Kernkraftwerke so lange betrieben werden sollen, wie sie sicher sind. Und im Mai 2017 wurde die bundesrätliche Energiestrategie 2050 vom Volk gutgeheissen. Sie sieht einen schrittweisen Umbau des Schweizer Energiesystems Richtung erneuerbare Energie vor.

Wasserkraft sinnvoll stützen

Die Wasserkraft bildet das Rückgrat der Schweizer Stromproduktion. Sie liefert mehr als 60 Prozent unseres Stroms. Aktuell leidet die Schweizer Wasserkraft stark unter den tiefen Strompreisen. Gerade ausländischer Strom, der teilweise aus Kohlekraftwerken stammt, macht den heimischen Produzenten zu schaffen. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Rahmenbedingungen für die Wasserkraft verbessern. Eine Möglichkeit dazu ist die zeitgemässe Anpassung der Wasserzinsen. Anstatt der starren Abgabe, braucht es ein flexibles System, das sich stärker am Markt orientiert. Ein solcher «neuer» Wasserzins besteht idealerweise aus einem fixen Sockelbeitrag und einem variablen Anteil an Abgaben, welcher sich am effektiven Strompreis orientiert. Die Anpassung ist notwendig, denn ohne funktionierende Wasserkraft keine Energiewende.


Pumpspeichwerk Limmern

Sichere Kernkraftwerke weiter betreiben

Noch immer stammt ein Grossteil des Schweizer Stroms aus Kernkraftwerken. Wichtig sind die Schweizer Kernkraftwerke aber nicht nur aufgrund des hohen Anteils am Produktionsmix, sondern vor allem aufgrund des Bandstroms, den sie produzieren. Die Kernkraftwerke liefern Strom in hervorragender Qualität – zu jeder Zeit und bei jedem Wetter.

Der Ausbau der neuen Erneuerbaren kommt nur langsam vom Fleck. Aktuell liefern Sonne und Wind in der Schweiz erst einen sehr kleinen Anteil am Produktionsmix. Noch immer fehlen die saisonalen Speichermöglichkeiten. Die neuen Erneuerbaren sind auch noch weit davon entfernt konkurrenzfähig zu sein. Sie werden deshalb mit verschiedenen Instrumenten (KEV, Investitionsbeiträge) subventioniert. Ziel muss sein, dass sich die neuen Erzeugungstechnologien am Markt behaupten, ohne teure Subventionen, welche die Strompreise künstlich erhöhen. Ein weiteres Problem: Teilweise stossen Projekte, insbesondere im Bereich Windkraft, bei der betroffenen Bevölkerung auf grossen Widerstand. Windparks lassen sich nicht auf Kosten von Landschaft und Bevölkerung realisieren. Umso wichtiger sind optimale Rahmenbedingungen für Betrieb und Instandhaltung des bestehenden Kraftwerkparks.


Kernkraftwerk Beznau

Die Wiederinbetriebnahme von Beznau, nach einem aufwändig erbrachten Sicherheitsnachweis des ENSI, ist deshalb eine gute Nachricht und folgerichtig. Der Entscheid stärkt die Versorgungssicherheit und ist damit eine energiepolitische Notwendigkeit.

Ausbau Stromnetze an die Hand nehmen

Das Schweizer Höchstspannungsnetz ist rund 6700 Kilometer lang. Mehr als zwei Drittel davon haben ihre Lebensdauer erreicht. Das Netz muss erneuert und ausgebaut werden. Dies muss in einem deutlich höheren Tempo geschehen, als es heute der Fall ist. Geschieht dies nicht, wird das Schweizer Stromnetz weder den heutigen noch den künftigen Anforderungen der Stromversorgung gerecht. Einerseits müssen die Speicherkapazitäten optimal genutzt werden. Andererseits braucht es eine intelligente Netzsteuerung. Denn gerade die neuen Erneuerbaren verursachen auf der Ebene des Verteilnetzes mit der Einspeisung immer grössere Probleme.


Umspannwerk Laufenburg

Freien Marktzugang ermöglichen

Der Strommarkt ist international. Aufgrund ihrer Lage im Herzen von Europa ist die Schweiz vergleichbar mit einer Drehscheibe im internationalen Stromhandel. Ein Stromabkommen mit der EU würde den grenzüberschreitenden Stromhandel regeln und einen freien Marktzugang für die hiesigen Produzenten ermöglichen. Die Schweizer Produzenten können aktuell ihren Strom nur erschwert im Ausland vermarkten. Dabei wäre gerade die Schweizer Wasserkraft prädestiniert, Stromspitzen in den Nachbarländern abzudecken. Werden die Schweizer Produzenten weiterhin diskriminiert, dann leidet erstens die Versorgungssicherheit und zweitens verbaut man der Wasserkraft grosse Chancen, die sich mit dem Ausbau von Wind- und Solarenergie im Ausland ergeben.

Bruno Pezzatti
Nationalrat FDP

Newsletter abonnieren

Informiert sein

Wir informieren Sie regelmässig über die Aktivitäten der Zuger Wirtschaftskammer und nehmen Stellung zu aktuellen Themen aus Politik und Wirtschaft.

Newsletter abonnieren

Wir verwenden Cookies, um Ihnen eine optimale Nutzung der Website zu ermöglichen. Indem Sie diesen Hinweis schliessen oder mit dem Besuch der Seite fortfahren, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.