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Zurück 19.04.2018

US-Steuerreform beeinflusst Standort Zug

Der «Tax Cuts and Jobs Act» stellt die wohl wichtigste US-Steuerreform der letzten 30 Jahre dar. Sie wirkt sich auch aufs Ausland aus, da viele Reformschritte direkt auf grenzüberschreitende Aktivitäten abzielen. Der Kanton Zug mit seiner hohen Dichte an US-Niederlassungen dürfte jedoch eine sichere und planbare Business-Location für US-Konzerne bleiben.

Die US-Steuerreform hat zum Ziel, die Attraktivität des Steuerstandorts USA zu steigern, um so neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die wichtigsten Massnahmen beinhalten folgende Punkte:

  • Reduktion des Körperschaftssteuersatzes auf 21 Prozent. Der Bundessteuersatz reduziert sich von 35 auf 21 Prozent, wodurch die Gesamtsteuerbelastung neu bei rund 25 Prozent liegt.
     
  • Wechsel zum Territorialsystem: Mittels steuerbefreiter Dividendeneinkünfte soll die Rückführung von im Ausland erzielten Gewinnen begünstigt werden. In diesem Zusammenhang findet eine einmalige Besteuerung von ausländischen Vermögenswerten statt. Der Wechsel zum Territorialsystem ist aber nur in wenigen Fällen Realität, da viele ausländische Gewinne weiterhin der US-Besteuerung unterliegen.
     
  • GILTI (Global intangible low-taxed excess returns tax): Neu unterliegen Gewinne von Tochtergesellschaften einer US-Mutter einer Mindestbesteuerung von 10,5 Prozent (ab 2026: 13,25 Prozent). Im Ausland entrichtete Steuern können zu 80 Prozent angerechnet werden.
     
  • Steuervergünstigungsregime FDII (Foreign derived intangibles income): Gewinne aus ausländischen Quellen unterliegen einer besonderen Besteuerung zu 13,125 Prozent (ab 2026 16,4 Prozent).
     
  • BEAT (Base Erosion Anti-Abuse Tax). Diese Steuer unterbindet die Gewinnverlagerung ins Ausland. So unterliegen gewisse «schädliche» Zahlungen (wie Zins- und Lizenzzahlungen) einer Mindestbesteuerung (BEAT von 10 Prozent plus Körperschaftssteuer von 21 Prozent).
     
  • Verschärfung der steuerlich zulässigen Abzüge: Die Reform führt neu Abzugsbeschränkungen ein. So wird der Nettozinsabzug bei 30 Prozent des EBITDA beschränkt. Auch können Verlustvorträge neu nur noch zu 80 Prozent geltend gemacht werden. Des Weiteren werden Abzüge für im Empfängerstaat steuerlich unberücksichtigte Zins- und Lizenzzahlungen nicht mehr zugelassen.

Mutmasslich: Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Zug

 «Nothing is intuitive anymore»: Aufgrund der Steuersatzsenkung reduziert sich die Steuersatzarbitragemöglichkeit massiv, und zwar von 40 auf maximal 15 Prozent. Als Folge davon wird für US-Gruppen der Entscheid, Substrat ins Ausland zu verlagern, intensiver durchdacht werden müssen. Ob sich eine Verlagerung von Aktivitäten ins Ausland weiterhin lohnt, wird stärker vom jeweiligen Einzelfall abhängen. Die Entscheidung könnte zudem je nach Unternehmensbereich oder Region einer Konzerngruppe unterschiedlich ausfallen.

Trotzdem – und auch entgegen FDII und GILTI – sollte sich eine Auslagerung von Aktivitäten weiterhin lohnen, sofern die Steuerbelastung im Auslagerungsland zwischen 10 und 13 Prozent liegt. Entsprechend attraktiv ist der Wirtschaftsstandort Zug mit einer Steuerbelastung von 8,5 bis 10,5 Prozent (gemischte Gesellschaften). Auch nach der Steuervorlage 17 (SV17) soll Zug mit einer Steuerbelastung von 12 Prozent attraktiv bleiben, rückt aber näher an direkte Konkurrenten wie zum Beispiel Irland.

Vorteilhaft: Regionales Prinzipalmodell

Trotz teilweise sinkender steuerlicher Anzugskraft bleibt das regionale Prinzipalmodell aus operativer Sicht attraktiv. So punktet der Standort Zug vor allem auch durch seine nichtsteuerlichen Faktoren wie Marktzugang, stabiles Rechtssystem, ein breites Netz an Doppelbesteuerungs- und Freihandelsabkommen sowie seinem grossen Talentpool. Dadurch werden US-Niederlassungen mit viel Substanz – wie in den Bereichen Life Sciences oder HighTech – dem Standort Zug wohl treu bleiben. Anders sieht es bei Gesellschaften mit wenig Substanz aus, wo sich ein Umzug zurück in die USA oder an andere steuergünstige Standorte abzeichnet.

Wichtig: Planung in Sache Anrechnung ausländischer Steuern

Die Planung im Bereich der Anrechnung ausländischer Steuern (Foreign Tax Credit) wird zukünftig eine noch wichtigere Rolle spielen. Um eine effiziente und nachhaltige Planung in diesem Zusammenhang sicherzustellen, werden US-Gruppen mehr Stabilität und Berechenbarkeit in ihren ausländischen Verrechnungspreismodellen suchen müssen. Als Folge daraus ist zu erwarten, dass die Margen der Produktions- und Vertriebsgesellschaften tendenziell ansteigen dürften. Dies könnte sich bei den Zuger Prinzipalgesellschaften in einer Reduktion der Profitabilität auswirken.

Herausfordernd: Ein sicherer Standort bleiben

Auf den ersten Blick spricht die Reform mit BEAT, GILTI und FDII dafür, dass viele mobile Tätigkeiten wie Finanzierungs- oder IP-Verwertungsaktivitäten zurück in die USA verschoben werden. Dies kann relativiert werden, da einerseits die Nachhaltigkeit von FDII ungewiss ist (die WTO und die EU-Kommission haben unlängst FDII als unzulässige Exportförderung kritisiert). Andererseits drohen in die USA transferierte Vermögenswerte aufgrund strikter Exit-Besteuerung dort zukünftig «blockiert» zu werden. So stellt der Kanton Zug zum Beispiel in Bezug auf die Vermarktung von IP nach wie vor ein attraktiver Standort dar.

Aufgrund des Wegfalls der Anrechenbarkeit von ausländischen Quellensteuern auf Dividendenerträgen kommt der Schweizer Sockelsteuer von 5 Prozent mehr Bedeutung zu, da sie zur finalen Steuerbelastung wird. Neben hohen Standortkosten fällt auch eine weitere Verzögerung der SV17 negativ ins Gewicht, dieser Vorlage ist deshalb allererste Priorität einzuräumen.

Dr. Frank Lampert
Vorstandsmitglied
Zuger Wirtschaftskammer

Sébastien Maury, KPMG AG
Director International Corporate Tax & Lead Swiss-US Corridor

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