News - Detail

Zurück 09.10.2019

Vielfalt birgt viel Potenzial

Diversity & Inclusion lautete das Motto eines Anlasses der Zuger Wirtschaftskammer, aus der Reihe «Change als Chance», diesmal bei Roche Diagnostics International AG in Rotkreuz. In drei Referaten wurde das Thema Vielfalt von verschiedenen Seiten beleuchtet, so dass die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer sowohl theoretischen Input wie praktische Ideen mitnehmen konnten.


«Diversity und InclusionAnlass», bei Roche Diagnostics Int. AG

«Vielfalt im Kontext eines Unternehmens ist kein Thema, das man auf ein paar Punkte reduzieren kann.» Vom Manager-Magazin im vergangenen Jahr zu «Deutschlands Diversity-Pionier» erkoren, stelle Michael Stuber die wissenschaftliche Seite von Diversity und den damit zusammenhängenden Herausforderungen und Chancen dar. Er stellte fest, dass jede Art von Vielfalt als Stärke verstanden werden könne. «Man muss verstehen, welche Aspekte von Vielfalt an welcher Stelle welche Dynamik entfalten», sagte er und gab zu bedenken, dass jede Organisation einen für sie passenden Ansatz finden müsse, um die Chancen, die sich aus der personellen Vielfalt ergeben, auch nutzen zu können – und dass es dazu mehr als Workshops und Kampagnen braucht.

Vielfalt als Mehrwert

Ausführlich beschrieb der Unternehmensberater sein «Potenzial-Prinzip», dessen – aus den Elementen Vielfalt, Offenheit und Einbeziehung bestehende – Wertschöpfungskette zu einem Mehrwert im Unternehmen führe. Das Sparpotenzial bei intelligent umgesetzter Diversity & Inclusion betrage zwischen fünf und zehn Prozent. Dies, weil Mitarbeitende, die Wertschätzung erfahren, deren Fähigkeiten erkannt und die an der richtigen Stelle eingesetzt würden, entsprechend mehr zu leisten imstande sind.

Michael Stuber wies auf die Hindernisse hin, die ein erfolgreiches Umsetzen von Diversität oft verhindern. So zum Beispiel die «unconscious Biases» – unbewusste Vorurteile. Und er mahnte zu umsichtigem Umsetzen neuer Konzepte. «Wenn man Menschen mit ihren Vorurteilen konfrontiert, bevor sie das Konzept verstanden haben, kann man diese noch verstärken.» So müsse man sich bewusst sein, welcher Vorbehalt wo wirke, welche Dynamik er entfalte und wo er allenfalls einen positiven Aspekt habe.


Michael Stuber, Diversity-Pionier, Gründer & CEO Ungleich Besser

Muster durchbrechen

Der Diversity-Experte gab Tipps, wie Vorurteile abgebaut werden können: «Man muss mit Menschen persönlich arbeiten, um ihre Vorurteile, ihre Denk- und Handlungsmuster zu erkennen und zu verstehen», sagte er. Weiter gelte es, in Prozessen Verhaltensmuster und Routinen zu durchbrechen und zu versuchen, verankerte Vorurteile zu verändern.

«Wir müssen verstehen, dass Diversity & Inclusion im Kern ein Change-Programm ist.» Menschen dazu zu bringen, Dinge anders zu tun: «Das zu orchestrieren, ist eine der wesentlichen Aufgaben» sagte er und schloss: «Es ist ein Thema, wo es im Kern um den Menschen geht, der davon profitieren darf und wird.»

Persönlichkeiten bringen Gewinn

Dass der Mensch im Zentrum von Diversity steht, betonte auch Daniel Nummer, Gründer und CEO der PREDICTA|ME GmbH. Diversität bedeute eine klare Ressource, die von vielen Unternehmen noch nicht ausreichend genutzt werde. Oft würde vergessen, dass nicht nur Führungskräfte und einzelne Mitarbeitende, sondern auch die Teams entwickelt werden müssen. «Am besten bin ich, wenn ich ICH bin», lautet einer seiner Leitsätze. Was heisst: Menschen leisten am meisten, wenn sie sich mit ihren individuellen Stärken und Eigenschaften einbringen können. Was bedingt, dass Vorgesetzte die individuellen persönlichen Merkmale ihrer Mitarbeitenden kennen.


Dr. Daniel Nummer, Gründer & CEO PREDICTA|ME GmbH


«Beim Diversitätsmanagement geht es um Konzepte zur Förderung personeller Vielfalt und zur Schaffung eines diskriminierungsfreien Arbeitsumfeldes.» Wie dies erreicht werden kann, hänge von verschiedenen Faktoren ab. Nummer, ein Experte für Organisationssteuerung und Personalmanagement, beschrieb unter anderem seine unkonventionellen Ansätze bei der Rekrutierung – fernab von stereotypen Kategorien. Er wies darauf hin, wie entscheidend die Zufriedenheit der Mitarbeitenden sei und dass diese Befindlichkeiten durch geschickte Teamzusammenstellung sowie regelmässige Feedback-Umfragen überprüft werden solle. Nummer schloss mit der Feststellung: «Bei Diversität sprechen wir über Individuen, die es zu respektieren und zu beachten gilt.» Nicht jedem Vorgesetzen gelinge es, das Wesen seines Gegenübers zu erkennen: «Hier gibt es ein riesen Potenzial für Unternehmen, ihre Führungskräfte zu fördern, so dass sie individueller auf ihre Teammitglieder zugehen und sie bei deren Weiterentwicklung unterstützen können.»

Diversity bei Roche

Wie geht ein Unternehmen wie Roche Diagnostics das Thema Diversity & Inclusion an? Rachel Parisot treibt das Thema durch standortspezifische Projekte und Initiativen voran und gab Einblicke in die Praxis. «Wir wollen ein Umfeld kreieren, in dem jeder und jede sich selber sein kann.» Denn nur so sei es möglich, Innovation zu leben und Dinge zu verändern – «weil man sich traut, die Andersartigkeit zu zeigen und sich wohl und sicher fühlt dabei». Laut Parisot gehe man das Thema fokussiert an. Inspiriert durch die Aktion «Alter hat Potenzial» wurde eine entsprechende Kampagne gestartet, «um ein Umfeld zu schaffen, worin sich alle Mitarbeitenden wertgeschätzt fühlen». Um mehr über die Bedürfnisse der verschiedenen Generationen zu erfahren und diese einander näher zu bringen, wurden gezielte Interviews durchgeführt. Man stellte Porträts verschiedenster Mitarbeitender ins Intranet, und man zeigte auf, wer in welcher Form von flexiblen Arbeitszeitmodellen profieren kann. Erfolgreich wurde ausserdem ein Mentoringprogramm initiiert. «Dieses war für alle Mitarbeitenden offen, unabhängig von Alter oder Hierarchiestufe.» So profitierten nicht nur Junge von den Senior Managern, jene konnten beispielsweise auch von Lernenden profitieren, beispielsweise im IT-Bereich. Gerne wurde auch die Möglichkeit der Teilnahme an sogenannten Mystery Lunches genutzt – einer Art Blind date zum Kennenlernen und für den informellen Wissensaustausch.


Rachel Parisot, Diversity & Inclusion Specialist, Roche Diagnostics Int. AG

Die Inhalte der drei Referate boten viel Diskussionsstoff beim Apéro riche – und dürften weit darüber hinaus zum Denken und Handeln anregen.

Mehr Infos:
ungleich-besser.de
predictame.de


Für die Zuger Wirtschaftskammer:
Therese Marty, thematext
Marcel Roos, Fotos

Hier gelangen Sie zu weiteren Fotos.

Lesen Sie hier die Medienberichterstattung der Zuger Zeitung.
 

 

 

Newsletter abonnieren

Informiert sein

Wir informieren Sie regelmässig über die Aktivitäten der Zuger Wirtschaftskammer und nehmen Stellung zu aktuellen Themen aus Politik und Wirtschaft.

Newsletter abonnieren

Wir verwenden Cookies, um Ihnen eine optimale Nutzung der Website zu ermöglichen. Indem Sie diesen Hinweis schliessen oder mit dem Besuch der Seite fortfahren, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.