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Zurück 11.07.2019

Blockchain steht für Transparenz

Was bedeutet Blockchain, und wo lässt sich diese neue Technologie einsetzen? Ein von der Zuger Wirtschaftskammer zusammen mit der Chief Digital Community organisierter Anlass im Parkhotel Zug hatte zum Ziel, den Mitgliedern und Gästen durch praktische Beispiele aufzuzeigen, welche Chancen Blockchain auch für KMU bieten kann.


Blockchain Eigenschaften - Referat von Tim Weingärtner

Blockchain. Was verbirgt sich hinter dem Begriff, der bislang vor allem im
Zusammenhang mit Kryptowährungen geläufig ist? Welche Chancen bietet die Technologie ausserhalb des Finanzsektors, insbesondere für KMU? Zahlreiche Mitglieder und Gäste erhielten am 4. Juli 2019 auf anschauliche Weise Zugang zu einem komplexen Thema, das für viele bislang hauptsächlich mit Kryptowährungen verknüpft war. Von verschiedenen Referenten vorgestellte Anwendungsbeispiele – sogenannten Use cases – zeigten jedoch auf, dass sich Blockchain in verschiedensten Branchen für die transparente Abwicklung unternehmensübergreifender Geschäftsprozesse eignet.

Einmaleins der Technologie

Zunächst zeigte Tim Weingärtner, Dozent an der Hochschule Luzern Informatik, auf, wie eine Informationskette aufgebaut ist und welches Potenzial sie besitzt. Er sprach über die sechs grundsätzlichen Eigenschaften, von denen sich zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten ableiten: Weingärtner erwähnte die Unveränderbarkeit – dass sich die einzelnen Blöcke nicht mehr verändern lassen. Weiter beschrieb er die Möglichkeit, dass die Kette an beliebig viele Teilnehmer verteilt werden kann, dass dies jedoch nur in Übereinstimmung aller an der Kette Beteiligten geschieht. Weiter erklärte Weingärtner, das sich in einen Kettenblock nebst Texten auch Programmcodes reinschreiben lassen, dass dies weitgehend anonym erfolgen kann und gleichzeitig die Blockchain für die daran beteiligten Personen oder Organisationen jederzeit transparent bleibe. «Es lässt sich dokumentieren, woher Dinge kommen und nachverfolgen, wohin sie gehen», brachte er es auf den Punkt.

Sicheres Ticketing

Nie wieder Hamsterkäufe von Eintrittskarten, kein Schwarzmarkt mit überhöhten Preisen für Tickets, keine Fälschungen oder Duplikate mehr: «Der Einsatz der Blockchain reduziert das Betrugsrisiko.» Gemäss Reto Fankhauser, Senior Solution Architect bei der ELCA Informatik AG, wurden bereits erste positive Erfahrungen mit Blockchain-basiertem Ticketing gemacht: Die Eintrittskarten werden personifiziert ausgestellt und erst kurz vor Veranstaltungsbeginn freigeschaltet. Einlass gibts per Barcode über die App auf dem Mobiltelefon. Ob ein Ticket weiterverkauft oder weitergegeben, ob und wie der Preis verändert werden darf – die Regeln legt der Veranstalter fest. Fankhauser betonte: «Es ist transparent, wo welches Ticket zu welchem Zeitpunkt ist.» Daraus ergibt sich beispielsweise die Möglichkeit, bei Risiko-Fussballspielen Kaufinteressenten mit Stadionverbot zu identifizieren.

Dezentrale Identität

«2018 wurden ungefähr drei Milliarden Datensätze gestohlen und für betrügerische Aktivitäten genutzt.» Mit dieser Bemerkung startete Waldemar Scherer von Swisscom Blockchain AG seine Darstellung über einen weiteren Ansatz der Blockchain. Es betrifft die «Self Sovereign Identity» (SSI), also eine dezentralisierte Identität, wo jeder User seine persönlichen Daten selber kontrolliert und freigibt. Laut Scherer hat SSI den Vorteil, dass sich der Anwender nur einmal anmelden muss und mit seiner digitalen Identität immer wieder neue Serviceleistungen beziehen kann. «Ich kann bestimmen, wer was wann mit meinen Daten macht», brachte es Scherer auf den Punkt und stellte fest: «Diese Technologie wird in der Praxis schon angewendet. Ich persönlich sehe das als grossen Wachstumsbereich mit viel Potenzial und flächendeckenden Einsatz schon in den nächsten Jahren.» Dies gelte auch für Unternehmen oder Behörden, um Prozesse zu vereinfachen, Kontrollen zu erleichtern, Aufwand zu reduzieren oder Kosten zu sparen.


Waldemar Scherer - Swisscom Blockchain AG

Transparente Lieferketten

Blockchain sind multilaterale, sichere Transaktionen in einem Netzwerk von Geschäftspartnern auf Augenhöhe.» Ulrich Schimpel von IBM Schweiz gewährte Einblicke, wie über das Eco-System «Tradelens» weltweite Cargo-Transaktionen abgewickelt werden. Und dies dank Blockchain jederzeit von allen Beteiligten einsehbar – vom Abholen des leeren Containers bis zur Auslieferung beim Empfänger. Schimpel wies jedoch darauf hin, dass «bei 100 möglichen Ideen vielleicht deren 10 relevante Blockchain-Use cases enthalten». Jedes Unternehmen müsse prüfen, ob und wo ein Blockchain-Einsatz sinnvoll sei. Nach hilfreichen Denkanstössen folgerte er: «Bei Blockchain geht es um individuelle Verantwortung, kombiniert mit Sicherheit und adäquater, geteilter Sichtbarkeit.» Auch wenn er längerfristig zahlreiche Anwendungsbereiche sieht, ist er überzeugt, dass «auch heutige Systeme bestehen bleiben».

Use case eines Flottenbetreibers

Auch beim Carsharing-Unternehmen Mobility wird laut Chief Technical Officer Marcel Amstutz auf Blockchain gesetzt, weshalb es als Mitglied des Trägervereins CarDossier interessante Szenarien prüft – im Hinblick auf den Import von Fahrzeugen oder den Dokumentenfluss wie in den Bereichen Zulassungen oder Flottenmanagement. Gute Kunde für Occasionskunden: Künftig lässt sich beim Kauf eines gebrauchten Fahrzeugs prüfen, ob die Angaben wie Kilometerstand oder Unfallfreiheit korrekt sind – und dies fälschungssicher auf einer App.

Es war viel und gehaltvoller Stoff, den es – nach zahlreichen Fragen und angeregten Diskussionen beim Apéro riche – zusammen mit den leckeren Häppchen zu verdauen galt.


Für die Zuger Wirtschaftskammer:
Therese Marty, thematext

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