News - Detail

Zurück 04.04.2019

Die Schweiz in einer globalisierten Welt

Die Schweiz ist eine der Gewinnerinnen der Globalisierung. Doch der Welthandel ist ins Stocken geraten. Und die Schweizer Wirtschaft? Zum Tag der Zuger Wirtschaft lud die Zuger Wirtschaftskammer einen Konjunkturforscher, einen Politiker und Unternehmer ins Theater Casino Zug ein mit der Frage: Welche Rahmenbedingungen führen die hiesige Wirtschaft zum Erfolg?

Die Schweiz besitzt weder Bodenschätze noch viel Land. Und dennoch liegt sie in vielen Bereichen an erster Stelle. «Wir führen den Global Innovation Index an und sind der wettbewerbsfähigste Wirtschaftsstandort der Welt», zeigte Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann auf. Den Grund für den Spitzenplatz sieht sie nicht nur bei den tiefen Steuern sondern vor allem auch beim dualen Bildungssystem und einer kundenorientierten Verwaltung.

Verloren hat die Schweiz allerdings im Ranking der besten Destinationen für Expats. Während sie bei den Salären oben ausschwingt, ist sie im Bereich Familie auf Platz 26 abgerutscht: «Uns fehlen Tagesstrukturen und Krippenplätze», analysierte die Volkswirtschaftsdirektorin.

So warnte denn auch Andreas Umbach, Präsident der Zuger Wirtschaftskammer, dass Erfolge der Vergangenheit nicht zwingend Erfolge für die Zukunft bedeuteten. Vielmehr müssten wir weiterhin offen und flexibel sein, erklärte er vor den über 300 Anwesenden, die sehr interessiert den spannenden Ausführungen lauschten.

Abhängigkeit von der Weltwirtschaft

Jan-Egbert Sturm, Direktor der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, zeigte auf, dass sich mit der Wirtschaftskrise das Blatt gewendet hat: Betrug der globale Welthandel vor 2008 noch rund 6.6 Prozent, ist er seither auf weniger als die Hälfte eingebrochen. Und er wird noch weiter sinken.

Das geht an unserem Land mit einer Exportquote von 65 Prozent des Bruttoinlandproduktes nicht spurlos vorbei. «Wenn es der Welt gut geht, geht es auch der Schweiz gut», erklärte der KOF-Direktor. Analog verhält es sich, wenn der Weltmarkt an Fahrt verliert. Denn das Schweizer Wachstum ist ein exaktes Abbild des globalen Wirtschaftswachstums.

Um trotz des schrumpfenden Wirtschaftswachstums zu bestehen, muss die Schweiz weiterhin auf ihre Erfolgsfaktoren wie Stabilität und Planungssicherheit setzen, wie sie durch direkte Demokratie verbunden mit dem Föderalismus geboten wird, aber auch auf offene Märkte und genügend Fachkräfte, wie sie unser duales Bildungssystem ermöglichen. Gleichzeitig plädierte Sturm für die Personenfreizügigkeit, zeigt doch ein statisches Szenario auf, dass die Schweiz ohne Zuwanderung in 20 Jahren rund 13 Prozent weniger Personen im erwerbsfähigen Alter haben wird.

Die Angst, dass durch zu viel Zuwanderung oder der Digitalisierung die Arbeitslosigkeit steigen würde, nimmt Sturm den Kritikern gleich vorweg: «Zahlen aus Grossbritannien zeigen, dass der Beschäftigungsanteil der Bevölkerung seit 1850 stabil geblieben ist. Nicht einmal die erste industrielle Revolution konnte das ändern.»

Was braucht die Wirtschaft?

Nach den Zahlen zur Realwirtschaft: Unter der Leitung von SRF-Moderatorin Wasiliki Goutziomitros diskutierten die Vertreter aus Politik, Forschung und Wirtschaft über Ängste und Bedürfnisse rund um die Globalisierung. Gute Handelsbeziehungen, Freihandels-Abkommen, ein liberales Arbeitsrecht und einen guten Umgang mit einer Verwaltung, die ein Grundverständnis für die Anliegen der Wirtschaft hat, das sind für Jürg Werner, CEO Metall Zug AG, Erfolgsgaranten.

Verleger und Nationalrat Roger Köppel nannte als Hemmnis für den Erfolg die zu vielen Vorschriften und sprach vom «Regulierungsmonster in Bern». Er forderte eine freiheitliche und schlanke Regierung und sprach sich für den Erhalt der Selbstbestimmung aus. Die Schweiz war schon immer mit fremden Märkten konfrontiert und musste Verträge abschliessen, erinnerte der Historiker. «Doch dabei dürfen wir unsere Instrumente nicht abgeben», ergänzte er mit einem Seitenblick auf das geplante Rahmenabkommen mit der EU.

Berechenbarkeit und Verlässlichkeit, das wünscht sich Reto Furrer, Verwaltungsratspräsident Gregor Furrer & Partner Holding AG: «Jede Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft». Handelshemmnisse hindern den Erfolg – genauso wie die Freigabe des Eurokurses, dass die Schweiz als Reiseland verteuerte und damit einen Einbruch im Tourismus herbeiführte. Für sehr wichtig erachtet er aber auch die Schaffung von Strukturen, «damit gute Mitarbeitende in die Schweiz kommen wollen.»

Mensch im Mittelpunkt

Dieses Anliegen nahm der Präsident der Wirtschaftskammer in seinem Schlusswort gerne auf: «Wir müssen wieder vermehrt die Menschen in den Mittelpunkt stellen.»

Für die Zuger Wirtschaftskammer, Patricia Diermeier Reichardt

Impressionen der Veranstaltung.

Newsletter abonnieren

Informiert sein

Wir informieren Sie regelmässig über die Aktivitäten der Zuger Wirtschaftskammer und nehmen Stellung zu aktuellen Themen aus Politik und Wirtschaft.

Newsletter abonnieren

Wir verwenden Cookies, um Ihnen eine optimale Nutzung der Website zu ermöglichen. Indem Sie diesen Hinweis schliessen oder mit dem Besuch der Seite fortfahren, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.